Im Oktober 2025 erhielt ein Strickwarenhersteller aus Zhejiang einen Exportauftrag über 9.000 Stück Damenbekleidung – es handelte sich um marineblaue Rundhals-Strickpullover, deren Bestimmungsland Deutschland war. Die Lieferfrist rückte näher, bis zur Abfahrt des Schiffes blieben nur noch vier Tage, und an den Produktionslinien wurde noch immer mit Hochdruck an der Verpackung gearbeitet. Bei der vorherigen Bestellung dieses Käufers waren etwa 30 Prozent der Ware aufgrund von Farbabweichungen zurückgesandt worden; in diesem Vertrag war ausdrücklich vereinbart, dass der Käufer das Recht hat, die gesamte Lieferung abzulehnen, falls die Farben der Produkte innerhalb derselben Charge nicht einheitlich sind.

Inspektion von WarenNach Eintreffen des Teams wurden gemäß dem AQL-2,5-Stichprobenplan 200 Proben entnommen. Bei der ersten Sichtprüfung unter Tageslicht wiesen die ersten 50 Proben keine offensichtlichen Mängel auf. Die tatsächlichen Abweichungen traten erst unter Standardlichtbedingungen zutage.

Farbabweichungen unter Standardlichtquellen

Die Muster werden in die Standardlichtkammer gelegt und auf die Lichtquelle D65 (Simulation des durchschnittlichen Tageslichts) umgeschaltet. Beim Vergleich unter denselben Referenzbedingungen werden sofort Farbunterschiede sichtbar: Einige Kleidungsstücke wirken bläulich, andere violett; innerhalb ein und desselben Musterstapels lassen sich drei Helligkeitsstufen unterscheiden. Derartige Abweichungen sind unter den warmen weißen Lichtverhältnissen in der Produktionshalle kaum zu erkennen.

Das menschliche Auge passt sich an Lichtquellen an. Nach längerem Aufenthalt in einer einheitlichen Lichtumgebung kommt es zu einer Farbkompensation, wodurch Abweichungen optisch abgeschwächt werden. Beim Wechsel zu einer Standardlichtquelle ändert sich der Referenzwert, wodurch die Abweichungen sichtbar werden.

Inspektion von Kleidungsstücken

Quantitative Beurteilung mit einem Farbmessgerät

Die Qualitätsprüfer verwendeten ein Farbmessgerät und führten Stück für Stück Messungen anhand der jeweiligen Färbebottich-Nummern durch. Die Ergebnisse zeigten, dass der ΔE-Wert zwischen den Proben zwischen 0,8 und 3,2 lag. Nach branchenüblichen Bewertungskriterien gilt ein ΔE-Wert von über 1,5 als für das menschliche Auge erkennbar, während ein Wert von über 2,5 darauf hindeutet, dass sich die Farben der beiden Chargen deutlich unterscheiden. Etwa ein Drittel der Proben dieser Charge lag außerhalb des akzeptablen Bereichs.

Die Grundursachen, die bis zum Färbe- und Veredelungsprozess zurückverfolgt werden können

Bei der Rückverfolgung anhand der Färbebottich-Nummern zeigte sich, dass dieser Stoff durch insgesamt vier Färbebottiche lief, wobei bei zwei davon Abweichungen im Mischungsverhältnis der Färbeflotte auftraten, was zu Unterschieden in der Farbintensität des Marineblau führte. Um den Zeitplan einzuhalten, mischte die Fabrik die Stoffe aus den vier Bottichen beim Zuschnitt und beim Nähen, sodass die Abweichungen nicht rechtzeitig isoliert werden konnten und erst kurz vor dem Versand entdeckt wurden. Bei der Serienproduktion mit mehreren Färbebottichen können selbst geringfügige Schwankungen der Färbebadparameter und der Arbeitsabläufe zu Farbunterschieden zwischen den Chargen führen, die bei routinemäßigen Kontrollen nur schwer zu erfassen sind.

Die Kosten für die Ablehnung einer gesamten Lieferung

Sollte die Lieferung wie ursprünglich geplant erfolgen und die Ware nach ihrer Ankunft in Deutschland ausgepackt und geprüft werden, wird der Käufer gemäß Vertrag sein Recht auf Ablehnung der gesamten Lieferung ausüben. Durch die Rücksendung von 9.000 Kleidungsstücken sowie die zusätzlichen Kosten für die Neuanfertigung und den Seetransport wird die Fabrik bei diesem Auftrag einen direkten Verlust erleiden. Auch der Käufer ist dem Risiko von Lieferengpässen und Lieferverzögerungen ausgesetzt, sodass beide Seiten der Lieferkette davon betroffen sind.

Inspektion von Kleidungsstücken

Risikoabwehr vor Auslieferung

Im Warenprüfbericht wurde dieser Mangel als schwerwiegender Mangel eingestuft; dem Bericht lagen die mit dem Farbmessgerät ermittelten Messdaten sowie eine Vergleichstabelle mit den Färbebottich-Nummern bei. Der Käufer hat nicht die gesamte Charge zurückgesandt, sondern die Produkte aus den beiden Färbebottichen, die die Grenzwerte überschritten hatten, zur Nachbesserung zurückgeschickt; die übrigen Produkte wurden nach Färbebottich-Nummern in Kartons verpackt, sodass sich die Chargen innerhalb eines Kartons nicht vermischten. Der Liefertermin konnte eingehalten werden, und das Risiko einer Rücksendung wurde bereits vor Verlassen des Werks abgewendet.

Farbabweichungen beiInspektion von KleidungsstückenEs handelt sich hierbei um häufig auftretende Mängel, die leicht übersehen werden, da sie unter normaler Beleuchtung nicht erkennbar sind. Im Folgenden werden vier wichtige Kontrollpunkte für diese Art von Problemen aufgeführt.

  1. Die Farbbewertung muss unter einer Standardlichtquelle (D65) erfolgen; weder die Beleuchtung in der Werkstatt noch die im Büro stellt eine gültige Referenz dar.
  2. Farbabweichungen dürfen nicht allein anhand einer Sichtprüfung beurteilt werden, sondern müssen anhand des ΔE-Werts eines Farbmessgeräts quantifiziert werden; aus verschiedenen Färbebädern müssen jeweils separate Proben entnommen und gemessen werden, um zu vermeiden, dass Unterschiede durch gemischte Proben verdeckt werden.
  3. Beim Probenahmeverfahren sollten die Färbebottichnummer, die Lagenbezeichnung des Zuschneidetisches und das Produktionsdatum erfasst werden, da Mängel bei gemischten Chargen im gemischten Probenzustand nur schwer zu erkennen sind.
  4. Im Vertrag müssen die Farbtoleranzen eindeutig festgelegt werden; Käufer und Verkäufer vereinbaren im Voraus den zulässigen ΔE-Bereich, anhand dessen bei der Warenprüfung die Beurteilung erfolgt.

Der Wert der Warenprüfung durch Dritte bei der Bekleidungsprüfung

Die Kontrolle der Farbkonsistenz bei Bekleidungsartikeln ist relativ schwierig, insbesondere bei der Serienfertigung in mehreren Produktionslinien.Inspektion OnlineSeit 2006 bieten wir Dienstleistungen im Bereich der unabhängigen Warenprüfung an. Sowohl Bekleidung als auch Taschen und Koffer werden Stück für Stück anhand festgelegter Standards geprüft, wobei versteckte Mängel wie Farbabweichungen durch eine Kombination aus instrumentellen Messungen und praktischer Erfahrung vor Ort festgestellt werden. Sollte Ihr Unternehmen die Farbrisiken bei laufenden Aufträgen bewerten lassen wollen, wenden Sie sich gerne an „Prüfung Online“, um ein maßgeschneidertes Konzept zu erhalten.

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